Das Kulturquartier und die Gemeinwohlökonomie

Die Gemeinwohlökonomie (GWÖ) ist ein alternatives Wirtschaftsmodell, das Mensch und Umwelt in den Fokus nimmt. Anstelle des Ziels, möglichst großen finanziellen Gewinn zu erwirtschaften, tritt das Streben nach dem allgemeinen Wohl.

Die noch recht junge Bewegung – 2010 in Österreich entstanden – ist mittlerweile weltweit verbreitet und bekommt immer mehr Zulauf. Unternehmen wie Sonnentor, Vaude und Voelkel haben sich der GWÖ verschrieben, in Münster gibt es etwa ein Dutzend Unternehmen.

Die GWÖ hat ein Instrument zur alternativen Bilanzierung für Unternehmen und Organisationen entwickelt. Abseits von Finanzbilanzen wird unternehmerischer Erfolg neu und anders „gemessen“, nämlich anhand von Indikatoren, die den Werten Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit sowie demokratische Mitbestimmung und Transparenz zugeordnet sind. Ziel ist eine möglichst genaue Beurteilung, wo das Unternehmen sich auf dem Weg zur Mehrung des Gemeinwohls befindet. Geprüft wird dies am Ende von externen GWÖ-Auditor*innen, die schließlich ein zwei Jahre gültiges Testat erstellen. Der Prozess der Bilanzierung liefert nicht nur Zahlen und Bewertungen, sondern auch ein spannendes, nicht zu unterschätzendes Instrument zur Weiterentwicklung eines Unternehmens.

Wir haben das Kulturquartier von Anfang an als einen Ort gedacht und geplant, an dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Dass wir so weit gekommen sind, wie wir es sind, hat viel damit zu tun, dass uns solche Aspekte wichtig sind, die generell für das Gelingen menschlicher Beziehungen förderlich sind: Respekt, Kooperation, demokratische Mitbestimmung, Offenheit und Transparenz. Dazu legen wir größten Wert auf ökologische Nachhaltigkeit. Die Schnittmenge mit den Werten der GWÖ ist nicht zu übersehen. Daher war es eine fast logische Konsequenz, durch die Bilanzierung auch nach außen hin zu dokumentieren, wie wir arbeiten und wirtschaften wollen.

Unsere erste Gemeinwohlbilanz erstellten wir 2016 mittels einer sogenannten Peer-Evaluation als eines der ersten Unternehmen in Münster. Für die erneute Zertifizierung haben wir uns Ende 2019/Anfang 2020 mit Hilfe zweier engagierter Studentinnen – Laura König und Kim Wassmann – durch den umfangreichen Fragenkatalog gearbeitet und unsere Position auf dem Weg zum Gemeinwohl erneut bestimmt.

Aus dem Auditbericht: „Im Rahmen der Gemeinwohlbilanzierung und externen Auditierung konnte das Kulturquartier Münster GmbH insgesamt mit „vorbildlich“ (= herausragend) bewertet werden und kann als Best-Practice-Beispiel dienen. Das Kulturquartier ist eine Inspiration, weil Gemeinschaft und Verantwortung gegenüber Mensch und Natur in vielfältigen Angeboten und Sinn(es)erlebnissen nahegebracht werden und damit unterschiedlichste Menschen erreicht werden.“